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Zitat des Monats April 2022

„Der Wissenschaft ist durch die Verfassung ein Raum der Autonomie gewährleistet, in dem wissenschaftliche Praxis nach Maßgabe eigener Kriterien realisiert werden kann. Diese Freiheitsgewährleistung, die ihren Niederschlag in Art. 5 Abs. 3 GG gefunden hat, umschreibt damit zugleich normative Grenzen für Interventionen und Beeinträchtigungen jeglicher Art, die allerdings in der Praxis nicht immer respektiert werden. Vielmehr finden sich Wissenschaftler:innen – innerhalb und außerhalb ihrer Institutionen – mit Ansprüchen konfrontiert, die sie als wissenschaftsfremd wahrnehmen; sie sind dem Druck von Erwartungen ausgesetzt, die sie nicht akzeptieren können und wollen, und sie werden in gesellschaftliche Konflikte hineingezogen, die nach Maßgabe von Kriterien ausgetragen werden, die sie als wissenschaftlich unangemessen empfinden.

Diese Konfliktfelder sind nicht neu und auch nicht erstaunlich. Schließlich ist der Wissenschaft ihre Freiheit zur Hervorbringung neuen Wissens garantiert. Neues Wissen, hinreichend gesichert oder nicht, setzt nicht selten vorhandene Perspektiven, Einstellungen und Praktiken einer Zumutung aus und kann schon deshalb nicht auf jederzeitige und umfassende Akzeptanz zählen. Insofern sind entsprechende Konflikte weder ungewöhnlich noch bedrohlich, sondern gehören zu einer differenzierten und multiperspektivischen Gesellschaft, in der auch die Wissenschaft Rechtfertigungsforderungen ausgesetzt ist. Und nicht selten sieht sich Wissenschaft mit wissenschaftlicher Kritik konfrontiert, etwa bei Fragen der Risikoeinschätzung von neuen Technologien. In einer demokratischen Gesellschaft ist dies legitim. In diesem Sinne ist nicht jeder Konflikt auch schon eine Bedrohung von Wissenschaftsfreiheit, als die er gelegentlich inszeniert wird.“

 

Quelle: Auszug aus der Präambel des Kodex Wissenschaftsfreiheit (2022) der Universität Hamburg.

Studie: Unternehmensübergabe Handwerk 2030

„Das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh) hat eine neue Studie zu den anstehenden Unternehmensübergaben im Handwerk und der potenziellen Lücke im Hinblick auf Übernahmegründungen mit dem Titel „Unternehmensübergaben im Handwerk bis 2030 – Abschätzung und Einordnung“ veröffentlicht.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels kann angenommen werden, dass im Handwerk die Zahl der geplanten Unternehmensübergaben in den kommenden Jahren steigen wird, während die Zahl der potenziellen Nachfolger/-innen zurückgeht. Zahlen zu künftig anstehenden Übergaben im Handwerk bilden damit eine wichtige Grundlage für handwerksinterne Weichenstellungen und handwerkspolitische Forderungen im Bereich des Existenzgründungs- und Nachfolgegeschehens.

In diesem Zusammenhang wird in der vorliegenden Studie geschätzt, dass in den kommenden fünf Jahren im Handwerk etwa 125.000 Betriebe bzw. rund 78.000 Unternehmen zur Übergabe anstehen. Zusätzlich wird gezeigt, dass im Handwerk die Zahl der anstehenden Unternehmensübergaben bis 2030 aufgrund der demografischen Entwicklung schrittweise ansteigen wird. Damit einher geht eine potenzielle Lücke auf der Nachfrageseite, da es im Projektionszeitraum (zumindest noch) an einer ausreichenden Zahl an Übernahmegründungen mangelt.“

Quelle: Runst, P./Thomä, J. (2021). Unternehmensübergaben im Handwerk bis 2030. Abschätzung und Einordnung. Göttinger Beiträge zur Handwerksforschung. Band 52. Deutsches Handwerksinstitut.

KfW Nachfolgemonitoring

„Nachdem das Corona-Jahr 2020 die Zukunftsplanungen vieler mittelständischer Unternehmen auf Eis gelegt hat, rückt das Nachfolgemanagement nun wieder höher auf der Agenda. Der „Corona-Knick“ scheint überwunden. Bis zum Ende des Jahres 2022 streben rund 230.000 KMU eine Nachfolge an. Erfreulich dabei ist: Davon haben 170.000 Unternehmen bzw. drei Viertel gute Chancen, ihre Nachfolgepläne auch zu realisieren. Sie haben bereits erfolgreich Nachfolgekandidaten gefunden oder befinden sich gegenwärtig in Verhandlungen.

Dabei wird der Bedarf an Nachfolgenden weiter zunehmen. Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihre Nachfolge bis Ende 2022 anstreben, sind im Durchschnitt bereits 66 Jahre alt. Der nahende Rückzug der Babyboomer- Generation wird eine große Lücke auf den Chefsesseln im Mittelstand hinterlassen. Die strukturelle Nachfolgelücke ist aufgrund niedriger Geburtenziffern und sinkender Selbstständigkeitsaffinität der Erwerbsbevölkerung groß.

In Krisenzeiten deutet sich eine „Renaissance der Familie“ an. Nicht nur der Anteil realisierter, familieninterner Übergaben ist gestiegen. Im Zuge der Corona-Krise der Jahre 2020 und 2021 verschieben sich die Präferenzen auch aus der Sicht der Mittelständler in Richtung Familiennachfolge. Dabei gilt: Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre sind familieninterne Nachfolgen um ein Vielfaches besser vorbereitet als externe Nachfolgewünsche: Etwa 5-mal häufiger ist die Nachfolge dann bereits in trockenen Tüchern oder kurz davor. Zunehmend wichtiger wird es künftig sein, mehrere Nachfolgevarianten parallel in Betracht zu ziehen.

Zum Gesamtbild gehören auch unerfüllte Nachfolgewünsche und Marktaustritte von Unternehmen. Rund 12 % der Unternehmen, die eine Nachfolge bis Ende 2022 realisieren möchten, müssen mit dem Scheitern ihrer Nachfolgepläne zum gewünschten Termin rechnen. Dort sind die Inhaber entweder noch gar nicht in den Prozess eingestiegen oder haben bislang nur Informationen gesammelt.“

Quelle: Leifels/Schwartz (2022). KfW Research. Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2021: wieder mehr Planungen nach Corona-Knick – Familiennachfolge in der Krise beliebt. Nr. 365.

Dresden plant: Die Stadt nach Corona

Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorüber. Dennoch ist es bereits erforderlich, die Zeit nach der Krise zu planen und die Zukunft in den Blick zu rücken. Gilt auch für die Landeshauptstadt Dresden, was das Handelsblatt jüngst postuliert: die Stadt der Zukunft ist nachhaltig, dezentral, digital und durchmischt? Wie planen gesellschaftliche Gruppen, Wirtschaft, Politik und Verwaltung die Zukunft der Stadt und vor welche besonderen Herausforderungen steht Dresden in Folge der Corona-Krise?

Das DIGW hat diese Fragen am 15. Juli 2021 in einem spannenden Austausch- und Gesprächsformat thematisiert, das Studierende, ProfessorInnen und vor allem Akteure aus verschiedenen Bereichen des städtischen Lebens zusammengebracht und Perspektiven auf dieAufgaben der näheren Zukunft nach Corona eröffnet hat.

Die digitale Stadt

Der Megatrend der Digitalisierung war und ist für die Stadt Dresden unabhängig von der Corona-Pandemie von Bedeutung. Die Einschränkungen und Veränderungen in beruflichen und privaten Bereichen während der Krise haben jedoch Lücken in der bereits erreichten Digitalisierung aufgezeigt. Fehlende Technik in Schulen, Gesundheitseinrichtungen und auch in privaten Organisationen haben nach Einschätzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine „verschleppte Digitalisierung“ in der Vergangenheit sichtbar gemacht.

Als dringende Aufgabe für die nähere Zukunft wird vor diesem Hintergrund die Verbesserung der Ausstattung mit digitaler Infrastruktur gesehen. Damit verbunden ist der Beginn einer digitalen Transformation. Zu dieser gehören die Anerkennung von Digitalisierung als Leitungsaufgabe, die Verbesserung des digitalen Datenaustauschs und die Anpassung von Betriebskonzepten an digitalisierte Abläufe. Dabei sollen Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger ebenso Berücksichtigung finden wie interne Prozesse in Stadtverwaltung und anderen öffentlichen Betrieben.

Die nachhaltige Stadt

Innerhalb dieser Diskussionsrunde wurde primär Nachhaltigkeit unter ökologischen Aspekten von Mobilität diskutiert. Hierbei wurde deutlich, dass die Stadtverwaltung das Thema Nachhaltigkeit in Konzepten und Umsetzung berücksichtigt. Die politische Agenda des Stadtrats ist auch mitbestimmend für den Grad der Umsetzung. Vor diesem Hintergrund wurde diskutiert, stärker die Arbeit der Stadtverwaltung für die Bürgerinnen und Bürger transparent zu machen.

Interessant war, dass Nachhaltigkeit und CO2-neutrale Mobilitätskonzepte gerade für die Schülerinnen und Schüler sehr wichtig ist und eine entsprechende Erwartungshaltung haben.

Die dezentrale Stadt

In den Gesprächen ergab sich u.a. die Perspektive auf Dresden als eine bereits sehr polyzentrische Stadt. Das Bedürfnis nach Nachbarschaft und dem Regionalen hatte während der Pandemie aus Sicht der Teilnehmenden zunächst zugenommen. Dies konnte man u.a. an einem erhöhten Interesse an Wochenmärkten feststellen. Aber es konnten auch Tendenzen zur Vereinzelung während der Pandemie beobachtet werden und es wurde die Frage diskutiert, ob die Dezentralität nicht auch eine gesellschaftliche Spaltung in der Stadt begünstigt hat.

Hinsichtlich weiterer Auswirkungen der Pandemie, zum Beispiel auf die Gewerbeflächen, konnte noch nicht viel berichtet werden. Sollte die Corona-Krise die Dresdner Stadtplanung in Zukunft stärker auf das (auch von anderen europäischen Städten verfolgte) Ziel der 15 Minuten-Stadt ausrichten, also auf eine Stadt, in der alles zu Fuß oder mit dem Rad in nur 15 Minuten erreichbar ist?

Die Rolle des Einzelhandels dürfte dabei eine entscheidende sein und wie er sich im Zuge des Corona bedingten Digitalisierungsschubs kreativ positionieren wird. Letztlich könnte für einen polyzentrischen Ansatz vielleicht auch die Frage wichtig sein: Womit identifiziert sich der Einzelne in einer Stadt? Und sind die Dresdner Stadtbezirke für diese Identifikation nicht zu groß?

Letztlich bot die Veranstaltung nicht nur inhaltlich, sondern auch persönlich viele Anknüpfungspunkte, die im Zuge der weiteren pandemischen Wirkungen sicherlich noch vertieft werden.