„Geh‘ mir weg mit deiner Lösung
Sie wär′ der Tod für mein Problem
Jetzt lass‘ mich weiter drüber reden
Es ist schließlich mein Problem
Und nicht dein Problem.“
Song „Die Lösung“ von Annett Louisan.
Text: Frank Ramond, Hartmut Kayser
Manchmal fragt man sich, warum Beteiligte an einem Konflikt dauerhaft, ja fast unbeirrt festhalten. Die Gründe dafür sind natürlich vielfältig. Anders als in dem Song von Annett Louisan geht es den Streitenden nur selten darum, sich wichtig zu machen. Aber vielleicht ist es der Wunsch nach Nähe oder Kontrolle.
Zunächst mal bindet uns ein Konflikt an eine andere Person. Wenn man schon mal Zeuge eines Nachbarschaftskonfliktes geworden ist, wird einem klar, dass ohne die Auseinandersetzung vielleicht eine Person ein eher eintöniges oder sogar einsames Leben führen würde. Die Aufregung über den Nachbarn und die negative Energie des Nachbars ihr gegenüber sind immer noch besser als ignoriert zu werden. In Familienunternehmen kann das ähnlich ausfallen, dass zumindest über den Konflikt eine (im Familienleben vermisste) Nähe erzeugt wird. Ein Konflikt trennt also nicht nur, sondern bindet auch.
Wir können aber auch anderweitig, sehr individuell von Konflikten profitieren, zum Beispiel mit ihm Zeit schinden oder der Wahrheit nicht ins Auge blicken.
Ein akuter Konflikt kann sogar eine Art Kontrollvermögen vorgaukeln, welches wir mit einer Lösung ggf. aufgeben müssten. In der Konfliktbearbeitung wird der Schleier der Erkenntnis meist gelüftet und wir müssen akzeptieren, dass der andere nun mal so ist, wie er ist, oder einen tatsächlich nicht so mag oder gut versteht wie eine andere Person vielleicht. Diesen Schmerz versuchen wir zu umgehen und lassen daher von einem vordergründigen Konflikt nicht so schnell los.
Im Rahmen einer Mediation geht es dann darum, Kontroll- oder versteckten Nähe-Themen schrittweise zu begegnen, Raum für diesen Erkenntnisprozess zu schaffen und auf Grundlage einer befriedeten Kommunikation wieder zurück in den Alltag mit handfesten Lösungen zu gehen. In Zweiergesprächen ist dies manchmal nicht so leicht zu erreichen und das Gerichtsverfahren wäre auch das falsche Verfahren. Mediationen enden zwar auch nicht immer mit der perfekten Win-Win-Lösung. Der schrittweise Prozess kann aber heilend wirken.





