Unternehmensnachfolge in Sachsen

DSC_0251Dank des Instituts für Mittelstand Bonn und weiteren renommierten Forschungsinstituten wird die Unternehmensnachfolge in Deutschland gut erforscht. Zwei aktuelle Erhebungen verdeutlichen nun Besonderheiten des Nachfolgegeschehens in Sachsen.

Die sächsischen Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und der Landesverband der Freien Berufe Sachsen e.V. führten zwischen Herbst 2016 und Frühjahr 2017 eine Befragung von Seniorunternehmern ab einem Alter von 50 Jahren durch (Sächsische IHK et al. 2017).

Dort standen insbesondere die folgenden Fragen im Fokus:

  • Wann ist die Unternehmensnachfolge geplant?
  • Wie sind Sie auf den Prozess der Nachfolge vorbereitet?
  • Wo und wie suchen Sie nach potenziellen Kandidaten?
  • Wo liegen die größten Herausforderungen?
  • Aus den Antworten der 2.764 Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben, lassen sich im Vergleich zum Bundesdurchschnitt unter anderem die folgenden Besonderheiten der sächsischen Nachfolge erkennen:

  • 72 Prozent haben keine konkrete Nachfolgeregelung
  • Emotionale Hürden spielen eine untergeordnete Rolle
  • Nur 27 Prozent planen familieninterne Nachfolge.
  • JProf. Dr. Alexander Lahmann, HHL Leipzig Graduate School of Management, kann anhand seiner empirischen Bestandsaufnahme zur Unternehmensnachfolge Sachsen ebenfalls feststellen, dass der überwiegende Teil der von ihm befragten Firmen eine externe Nachfolgeregelung anstrebt. Er weist daraufhin, dass sich bundesweit ein genau gegensätzliches Bild zeige, da die überwiegende Mehrheit dort mit 64% eine familieninterne Nachfolge anstrebe.

    Beide Studien konnten festellen, dass die überwiegende Anzahl der Unternehmer keinen Nachfolgeplan implementiert haben. Beide sehen diese Zahlen als besonders kritisch an, „wenn davon ausgegangen werden kann, dass ein Drittel dieser Unternehmer in den nächsten drei Jahren den Generationswechsel realisiert haben möchte.“ (Sächsische IHK et al. 2017, S. 3). Die Zeit bis zur Nachfolge ist sehr gering und wird nach Ansicht von Prof. Lahmann unterschätzt.

    Sicherlich lassen sich die Ergebnisse teilweise anhand der Größe der an der Befragung teilnehmenden Unternehmen erklären. Dennoch muss das Nachfolgegeschehen in Sachsen als besonders angesehen werden. Das überraschend niedrige Ergebnis der IHK-Studie auf die Frage nach den emotionalen Herausforderungen für eine erfolgreiche Übergabe, lässt sich wohl damit erklären, dass emotionale Probleme bei der Nachfolge ungern zugegeben werden. Die Beratungspraxis der Kammern hat gezeigt, „dass der Großteil der Unternehmensnachfolgen daran scheitern, dass Unternehmer ihr Lebenswerk nicht „loslassen können“ oder „familiäre Hintergründe“ den Übergabeprozess behindern“ (Sächsische IHK et al. 2017, S. 5). Diese Beobachtung kann von Neuvians & Co. bestätigt werden und findet sich auch in anderen empirischen Erhebungen (z.B. Berlemann 2007).