Frauen in Führungspositionen

Das FüPoG I aus dem Jahr 2015 und das FüPoG II  (August 2021) sollten eigentlich die richtigen Impulse setzen: Gleich gut qualifizierte Frauen auf eine Führungsposition zu berufen, um die Diversität in der Unternehmensführung zu erhöhen und letztlich auch die Performance zu steigern. Die börsennotierten Unternehmen, die auch der paritätischen Mitbestimmung unterliegen, haben auch entsprechend reüssiert und zumindest auf der Ebene der Aufsichtsräte die Vorgaben soweit erfüllt. Auch auf der Ebene der Vorstände konnte der Frauenanteil auf gegenwärtig 14,3% angehoben werden.

 

Sowohl im Mittelstand als auch bei Familienunternehmen lässt sich allerdings keine Steigerung beobachten. Der KfW-Mittelstandsreport veröffentlichte im März 2022 eine Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels. Danach ist der Anteil von kleinen und mittleren Unternehmen mit einer Frau an der Spitze im Jahr 2021 sogar zurückgegangen. Von den rund 3,8 Mio. mittelständischen Unternehmen in Deutschland wurden zuletzt 16% von einer Chefin geführt. Die Anzahl frauengeführter Unternehmen sinkt auf rund 608.000 (-30.000). Nach Aussage der Autoren lässt sich das Ausbleiben eines Anstiegs des Frauenanteils in der Unternehmensführung von KMU in großen Teilen mit der generell niedrigen Gründungstätigkeit in Deutschland erklären. Eine mangelnde Qualifikation kann als Begründung jedenfalls nicht herangezogen werden, denn der Akademisierungsgrad unter den Chefinnen im Mittelstand hat enorm zugelegt.

 

Der Allbright Bericht aus Mai 2022 stellt darüber hinaus fest, dass die größeren Familienunternehmen in Sachen Vielfalt keine Standards setzen und sich eher als „Bremsklotz der deutschen Wirtschaft“ etablieren: „Mit 8,3% ist der Frauenanteil in den Geschäftsführungen der Familienunternehmen nur gut halb so hoch wie bei den Unternehmen in DAX, MDAX und SDAX, und er bewegt sich nicht.“ Je höher die Transparenz und der Einfluss externer Akteure ist, desto höher ist auch der Frauenanteil in der Geschäftsführung. Und: Wo Frauen aus der Familie mitbestimmen, gibt es auch häufiger Frauen in der Geschäftsführung. Trotz vieler Neubesetzungen an den Unternehmensspitzen, der Familienunternehmen, wurden jedoch insgesamt kaum Frauen rekrutiert: Die Familienunternehmen „scheinen steckengeblieben zu sein in einem eher regional orientierten Fokus und setzen in Krisenzeiten auf Vertrautes und vermeintlich Altbewährtes: Männermannschaften.“

 

Die Autoren des Allbright Berichts fragen zurecht, ob die Familienunternehmen für die besten Talente bald nur noch Arbeitgeber zweiter Wahl sein wollen. Auf europäischer Ebene wird die verbindliche Frauenquote nun auch für Leitungspositionen börsennotierter Unternehmen kommen.

 

Quellen:

Schwartz M. (2022). Frauenquote im Mittelstand auf niedrigem Niveau sogar rückläufig: Sind Impulse für Zuwachs an Chefinnen in weiter Ferne?. KfW Sonderauswertung. Nr. 370.

Ankersen et al. (2022). Allbright Bericht. Stillstand. Familienunternehmen holen keine Frauen in die Führung.

Zitat des Monats April 2022

„Der Wissenschaft ist durch die Verfassung ein Raum der Autonomie gewährleistet, in dem wissenschaftliche Praxis nach Maßgabe eigener Kriterien realisiert werden kann. Diese Freiheitsgewährleistung, die ihren Niederschlag in Art. 5 Abs. 3 GG gefunden hat, umschreibt damit zugleich normative Grenzen für Interventionen und Beeinträchtigungen jeglicher Art, die allerdings in der Praxis nicht immer respektiert werden. Vielmehr finden sich Wissenschaftler:innen – innerhalb und außerhalb ihrer Institutionen – mit Ansprüchen konfrontiert, die sie als wissenschaftsfremd wahrnehmen; sie sind dem Druck von Erwartungen ausgesetzt, die sie nicht akzeptieren können und wollen, und sie werden in gesellschaftliche Konflikte hineingezogen, die nach Maßgabe von Kriterien ausgetragen werden, die sie als wissenschaftlich unangemessen empfinden.

Diese Konfliktfelder sind nicht neu und auch nicht erstaunlich. Schließlich ist der Wissenschaft ihre Freiheit zur Hervorbringung neuen Wissens garantiert. Neues Wissen, hinreichend gesichert oder nicht, setzt nicht selten vorhandene Perspektiven, Einstellungen und Praktiken einer Zumutung aus und kann schon deshalb nicht auf jederzeitige und umfassende Akzeptanz zählen. Insofern sind entsprechende Konflikte weder ungewöhnlich noch bedrohlich, sondern gehören zu einer differenzierten und multiperspektivischen Gesellschaft, in der auch die Wissenschaft Rechtfertigungsforderungen ausgesetzt ist. Und nicht selten sieht sich Wissenschaft mit wissenschaftlicher Kritik konfrontiert, etwa bei Fragen der Risikoeinschätzung von neuen Technologien. In einer demokratischen Gesellschaft ist dies legitim. In diesem Sinne ist nicht jeder Konflikt auch schon eine Bedrohung von Wissenschaftsfreiheit, als die er gelegentlich inszeniert wird.“

 

Quelle: Auszug aus der Präambel des Kodex Wissenschaftsfreiheit (2022) der Universität Hamburg.

Steuerlast für Familienunternehmen

Die Stiftung für Familienunternehmen hat Studienergebnisse zur Steuerlast von Familienunternehmen veröffentlicht. Die Studie war beim ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. in Auftrag gegeben worden und wurde in dieser Woche veröffentlicht.

Das Ergebnis: Deutschland ist ein Höchststeuerland, besonders für die großen Familienunternehmen.

Seit 2013 zahlen große Familienunternehmen in Deutschland deutlich mehr Steuern als börsennotierte Konzerne im Streubesitz.

Von 2010 bis 2018 entrichteten Familienunternehmen etwa 67 Milliarden Euro pro Jahr an Unternehmenssteuern. Das entspricht rund 48 Prozent des Gesamtaufkommens an Unternehmenssteuern. Auf die 500 größten Familienunternehmen entfielen davon rund 12 Milliarden Euro, was knapp einem Fünftel entspricht.

Die durchschnittliche Steuerbelastung der 500 größten Familienunternehmen liegt auf Unternehmensebene bei etwa 28 Prozent. Unter Berücksichtigung der Steuern auf Gesellschafterebene errechnet sich eine durchschnittliche Belastung von fast 38 Prozent. Erträge der Dax-Konzerne, die keine Familienunternehmen sind, sind unter Berücksichtigung der Besteuerung der Gesellschafter dagegen nur mit gut 26 Prozent belastet.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Stiftung.

Wer an einem Podcast zum Thema interessiert ist, möge sich das Interview mit Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, bei Gabor Steingart/Media Pioneer anhören.

Unternehmensnachfolge im Osten besonders herausfordernd

Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) scheint die Unternehmensnachfolge insbesondere im Osten schwierig zu sein.

Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2019 konnte diesen Schluss auf Grundlage von mehr als 26.000 Kontakte der Experten in den Industrie- und Handelskammern (IHKs) mit Senior-Unternehmern und Übernahme-Interessenten ziehen. Dabei zeigte sich für das Segment kleinere und mittlere Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern (KMU), dass knapp 7000 Alt-Inhaberinnen und Alt-Inhaber im Jahr 2018 den Rat ihrer Industrie- und Handelskammer (IHK) suchten, „ein Zuwachs von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein abermaliger Rekord in der Historie des DIHK- Reports Unternehmensnachfolge seit dem Jahr 2007.“

Mit 54 Prozent sind im Osten mehr als die Hälfte der Senior-Unternehmer beim Erstbesuch der IHK noch ohne Nachfolgerin oder Nachfolger. Betroffen seien vor allem Einzelhändler sowie Hotel- und Gastronomiebetriebe.

Als Gründe für die schwierige Nachfolgesituation werden der demographische Wandel und Fachkräftemangel vermutet, die jedoch die Unterschiede zwischen Ost und West nicht in Gänze erklären dürften. Ferner wurde hervorgehoben, dass sich die Nachfolge „im Herzen“ abspiele, da viele Senior-Inhaber nicht von ihrem Lebenswerk loslassen könnten. Dies erkläre,“warum auch 43 Prozent der Senior-Unternehmer zu Beginn der Verhandlungen laut IHK-Erfahrungen einen überhöhten Kaufpreis fordern. Sie berechnen häufig die über Jahre oder Jahrzehnte geleisteten Mühen und den persönlichen Einsatz mit ein.“

Die kompletten Studienergebnisse erhalten Sie hier.

Unternehmerisches Handeln

Was ist Unternehmertum? Ist das unternehmerische Handeln von bestimmten Faktoren beeinflusst? Wenn ja, welche sind es und wie stark sind sie ausgeprägt?

Dieser Frage widmete sich der 2. Think Tank unseres Kooperationspartners EQUA (EigentümerQualifizierungsAkademie). Die Aufgaben und Ziele der EQUA-Stiftung sind, Gesellschafter von Familienunternehmen darin zu unterstützen, ihre Unternehmen verantwortungsvoll und professionell zu lenken. Die EQUA-Stiftung stellt wissenschaftliches und praxisnahes Wissen über und für Unternehmerfamilien und Familienunternehmen bereit. u.a. indem sie die konsequente wissenschaftliche Aufarbeitung der Spezifika von Familienunternehmen und Unternehmerfamilien sowie Think Tanks unterstützt. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden als praxisrelevante und konkrete Handlungshilfen den Unternehmerfamilien zur Verfügung gestellt.

Der 2. Think Tank fand im Juli 2019 mit ausgewählten Wissenschaftlern, Unternehmern & Eigentümern statt. Zentrales Thema der Veranstaltung war die Kultur des Unternehmertums. Neben vielfältigen Aspekten wurde u.a. die oben genannte Fragestellung diskutiert und bewertet. Die Beteiligten hat die Möglichkeit zwischen den folgenden Faktoren eine Auswahl zu treffen und sie hinsichtlich ihres Einflusses auf das unternehmerische Handeln zu gewichten:

  • Charakter
  • finanzielle Mittel
  • ethische Überzeugung
  • natürliche Umwelt
  • soziales Umfeld
  • kulturelles Umfeld
  • wirtschaftliches Umfeld
  • Politik
  • technischer Fortschritt
  • Alter
  • Geschlecht
  • Kompetenzempfinden
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