Wirksame Korruptionsbekämpfung ?

IMG_6481Im Netz wird aktuell eine schwarze Liste für korrupte Unternehmen diskutiert. Das Wirtschaftsministerium will mit einem deutschlandweiten Register kriminelle Firmen von öffentlichen Aufträgen ausschließen. Die Bundesregierung hat auf Vorschlag des Bundeswirtschaftsministeriums am 29. März 2017 einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet. Damit wird Korruptionsprävention beabsichtigt, indem Unternehmen, die bestochen oder Steuern hinterzogen haben, keine öffentlichen Aufträge mehr bekommen.

Ob tatsächlich Konfliktprävention mit einer Liste dieser Art erreicht werden kann, muss jedoch kritisch betrachtet werden. Denn ob sich Unternehmen in Zukunft nun genau überlegen, ob sie das Risiko eingehen wollen, für bis zu fünf Jahre von öffentlichen Vergabeverfahren ausgeschlossen zu werden, erscheint eher fraglich. Die Erfahrung mit Korruptionsfällen der letzten Jahre hat doch eher ein anderes Bild erzeugt: Unternehmen entscheiden sich nicht explizit zur Korruption, sondern erste dolose Handlungen werden stillschweigend akzeptiert und die Integrität des Kaufmanns weicht schrittweise einer korrupten Praxis. Der Gedanke an ein Register findet dort wohl kaum statt.

Die Wirtschaft unterstützt das Vorhaben auch nur unter bestimmten Bedingungen. So stellt der Präsident der Familienunternehmer fest, dass eine Liste dieser Art keine Einträge auf Verdacht und bei Fahrlässigkeitsdelikten erlauben sollte, sowie ihre Einsehbarkeit geschützt werden sollte. Transparenz ist kein Allheilmittel gegen Korruption. Eine Liste mit den schwarzen Schafen ist sinnvoll, da Korruption nicht auch noch belohnt werden sollte. Stattdessen soll sich Ehrlichkeit lohnen, ja, aber das Phänomen Korruption wird mit einer Liste nicht vermieden. Hier bedarf es anderer Maßnahmen.

Frohe Weihnachten!

IMG_5692Das Jahr 2016 war kein friedliches Jahr.

Auch in unserer Arbeit mit Familienunternehmen waren wir mit vielen und zum Teil sehr komplexen Konflikten konfrontiert. Zum Jahresende können wir jedoch zufrieden feststellen, dass unsere Klienten fast immer eine neue Basis schaffen konnten, die Ihr Familien- und Arbeitsleben bereichert und vorangebracht hat.

Wir sind ein wenig stolz, dass wir mit unserer Arbeit Frieden stiften, manchmal auch Erkenntnisse ermöglichen und reifen lassen konnten. Doch der Mammutanteil des von uns begleiteten Fortschritts lag nicht bei uns, sondern bei den Unternehmen und ihren Familien.

Wir möchten uns bei allen Familienunternehmen für die Zusammenarbeit sehr herzlich bedanken, insbesondere für ihren Mut und ihre Bereitschaft zur Veränderung. Unser Dank gilt auch unseren Kooperations- und Geschäftspartnern, die uns immer wieder unterstützen und in 2016 z.B. zu einem wunderschönen Familientag beigetragen haben.

Wir wünschen allseits frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017!

Compliance Management Systeme-Guidelines

Im Dezember 2014 wurde ein neuer, internationaler Standard für Compliance Management Systeme veröffentlicht. Er basiert auf den Prinzipien der Good Governance, Verhältnismäßigkeit, Nachhaltigkeit und Transparenz und bietet als grenz- und branchenübergreifendes Regelwerk international einheitliche Rahmenbedingungen bei der Errichtung und Implementierung von Compliance Management Systemen in verschiedensten Organisationstypen.

Anhand von Empfehlungen wird in logischer Reihenfolge dargelegt, wie ein Compliance Management System funktionieren könnte. Die Guidelines regen zur Identifikation und Bewertung von Risiken an, berücksichtigen die interne und externe Kommunikation und sehen die Bewertung der Effektivität der Maßnahmen und Prozessveränderungen vor. Darüber hinaus werden die Verantwortlichkeiten des Top und Line Managements näher berücksichtigt.

Besonders hervorzuheben sind die Anpassungsfähigkeit des ISO 19600 einerseits und seine Eignung für kleine und mittlere Unternehmen andererseits. Nicht jede Empfehlung ist umzusetzen, sondern ein maßgeschneidertes System ist das Ziel von ISO 19600. Somit können die Organisationen (und damit nicht nur Unternehmen sondern auch Stiftungen, Vereine etc.) selbst entscheiden, welche Maßnahmen verhältnismäßig sind.

Es ist zu berücksichtigen, dass Standards wie der IDW PS 980 oder der österreichische ONR 192050 ihre Gültigkeit behalten und bei der Prüfung von Compliance Management Systemen weiterhin zum Einsatz kommen werden. Behörden und Kontrollorgane dürften die Guidelines jedoch ebenso heranziehen, um die wahrgenommenen Aufsichts- und Kontrollpflichten von Führungskräften zu prüfen. ISO-Normen sind weltweit anerkannt und haben daher ein entsprechend hohes Durchsetzungspotenzial.

Studie: Familienunternehmen schneiden besser ab!

Große Familienunternehmen weisen in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten bessere Ergebnisse als vergleichbare managergeführte auf. Zu diesem Fazit kommt eine Bilanzdatenanalyse des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn für die Jahre 2008 bis 2012. Demnach konnten die untersuchten 3.723 großen Familienunternehmen sowohl über den gesamten Zeitraum hinweg als auch in den einzelnen Jahren höhere Renditen auf ihr Gesamt- und ihr Eigenkapital vorweisen als die 2.852 Nicht-Familienunternehmen.

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Studie: Aufsichtsräte und Beiräte im Mittelstand

Die Governance Praxis des deutschen Mittelstands wird zunehmend beleuchtet und erforscht. Die neueste Studie über die Zusammensetzung, Tätigkeit und Zufriedenheit von Aufsichtsräten und aktiven Beiräten im gehobenen Mittelstand wurde von der Fachhochschule der Wirtschaft jüngst im Bundesanzeiger Verlag herausgegeben.

Die empirische Untersuchung nimmt dabei die Anzahl, Altersstruktur, Kompetenzen und Erfahrung der Mitglieder genauer ins Visier. Die Frauenquote in den Aufsichtsgremien, wie auch die Vergütung, Zusammenarbeit und evtl. Haftungsrisiken werden ebenfalls thematisiert.

Insbesondere die Ergebnisse zum laufenden Betrieb der mittelständischen freiwilligen Aufsichtsgremien sind neu und interessant, aber auch das Geleitwort von Roland Oetker stellt eine große Bereicherung dar: „Geht es doch darum, die Gesellschafterinteressen mit denen der operativen Geschäftsführungen bestmöglich und im langfristigen Interesse der Unternehmen zu synchronisieren und aufeinander auszurichten.“

In diesem Sinne möchten wir Ihnen diese Studie zur Lektüre empfehlen. Weitere Informationen finden Sie hier.