Mediation & Familienunternehmen

Die Mediation ist nun offiziell in Deutschland angekommen. Am 12. Januar 2011 stimmte das Kabinett dem Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums zu, welches die Mediation in fast allen Rechtsbereichen vorsieht und regelt.

Das Gesetz zur Förderung der Mediation stellt einen umfassenden Regelungsansatz dar, der vor allem der Rechtssicherheit dient. Regelungslücken zur Vertraulichkeit des Verfahrens oder zur Vollstreckbarkeit wurden geschlossen. Außerdem, so wird in offiziellen Stellungnahmen betont, diene das Gesetz insbesondere den Bürgern, da die Mediation gerade bei Konflikten in dauerhaften Beziehungen (Familie, Nachbarschaft, Hauptlieferant etc.) bessere Lösungen als in Gerichtsverfahren hervorbringt.

Doch welche Auswirkungen wird dieses Gesetz speziell für Familienunternehmen haben?

In Hinblick auf die spezifischen Konflikte in Familienunternehmen, also die Konflikte, die durch die besondere Kombination aus Familie, Unternehmen & Eigentum entstehen, dürfte vor allem die außergerichtliche Mediation von erheblicher Relevanz sein. Bei Konflikten in Familienunternehmen wird nur selten vor Gericht gestritten, da dies einen sehr hohen Eskalationsgrad (und meist eine maximale Brüskierung der Familie) bedeuten würde. Die außergerichtliche Mediation wäre daher sehr geeignet, denn sie fände in einem höchstvertraulichen Rahmen statt und könnte frühzeitig eingesetzt werden, bevor die Parteien an die Einbeziehung von Anwalt und Gericht denken.

Mit dem Mediationsgesetz wurde allerdings nur die richterliche Mediation (Mediation, die innerhalb eines Gerichts von einem nicht entscheidungsbefugten Richter durchgeführt wird) ausdrücklich geregelt. Sie ist von der gerichtsnahen Mediation (Mediation, die während eines Gerichtsverfahrens außerhalb des Gerichts durchgeführt wird) und der außergerichtlichen Mediation (Mediation, die unabhängig von einem Gerichtsverfahren durchgeführt wird) zu unterscheiden. So kritisiert beispielsweise die Bundesrechtsanwaltskammer, dass mit dem Mediationgesetz leidglich eine Stärkung der richterlichen Mediation, gleichzeitig aber eine Schwächung der außergerichtlichen Mediation erreicht wurde (zur Kritik -> weiterlesen).

Eine besondere Relevanz des Gesetzes speziell für Familienunternehmen ist daher nicht anzunehmen. Die richterliche Mediation käme bei einem Konflikt zwischen zwei geschäftsführenden Gesellschaftern „zu spät“. Sobald ein Konflikt bei Gericht anhängig ist, sind die Fronten verhärtet. Dazu tragen auch die Schriftsätze der Anwälten bei, die bereits vor Klageerhebung ausgetauscht werden und den Richter überzeugen sollen. Damit bietet sich nicht mehr der Handlungs- und Lösungspielraum, wie er sich im Rahmen einer außergerichtlichen Mediation finden würde.

Gleichzeitig wird jedoch deutlich: Die Mediation bietet eine Alternative zu Gerichts- und anderen Konfliktbearbeitungsverfahren und dies wurde nun von staatlicher Seite anerkannt und geregelt. Das Mediationsgesetz darf daher als Impulsgeber verstanden werden, auch in Familienunternehmen die Mediation häufiger zum Einsatz kommen zu lassen.

Weiterführende Literatur zu diesem Thema:

Neuvians N. (2011). Familienunternehmen und Mediation. Konfliktlösungsmöglichkeiten. EQUA-Schriftenreihe Heft 8/2011. Bonn: Unternehmer Medien. 21 Seiten.

Neuvians, N. (2011). Mediation in Familienunternehmen. Chancen und Grenzen des Verfahrens in der Konfliktdynamik. Wiesbaden: Gabler. 332 Seiten.