Konfliktbewältigung in Familienunternehmen: Ergebnisse einer Breitenbefragung

Breitenstudien zur Konfliktbewältigung in Familienunternehmen sind bisher nur selten zu finden. Zu den bekanntesten Studien gehört sicher die im 2-Jahres-Rhythmus erscheinende Studie über Familienunternehmen von PricewaterhouseCoopers, die auch Informationen zu Konfliktlösungsverfahren bietet. Dabei handelt es sich um eine groß angelegte Studie, da beispielsweise in 2010 über 2.000 Inhaber von Familienunternehmen in insgesamt 25 Ländern befragt wurden (Fels in der Brandung – Studie über Familienunternehmen 2010/2011). Der Informationsgehalt zur Konfliktbewältigung ist allerdings nicht sehr umfangreich. Sowohl die Studie 2008 als auch 2010 unterzogen eine nur sehr begrenzte Auswahl an Konfliktbearbeitungsinstrumenten der eigentlichen Bewertung.

Daher wird im Folgenden auf das von der EQUA-Stiftung unterstützte Forschungsprojekt am Kompetenzzentrum für Innovation und marktorientierte Unternehmensführung (KIM) an der Fachhochschule Ludwigshafen ergänzend hingewiesen. Ihre Breitenbefragung zum Thema Konflikte und präventive Maßnahmen in Familienunternehmen wurde Anfang 2010 publiziert und liefert wertvolle Hinweise zur Verbreitung von bestimmten Konfliktsituationen sowie zur Häufigkeit eingesetzter Präventionsmaßnahmen in deutschsprachigen Familienunternehmen.

Auch wenn nicht von einer exakten Repräsentativität der Studienergebnisse für die Gesamtmenge der Familienunternehmen in Deutschland ausgegangen werden kann, finden grundlegende Tendenzen in den Ergebnissen ihre Entsprechung. Sehr positiv hervorzuheben ist, dass die Daten eine differenzierte Betrachtung nach unterschiedlichen Typen von Familienunternehmen ermöglichen. Kritisch muss jedoch angemerkt werden, dass die Mediation in der Befragung als Konfliktpräventionsverfahren verstanden wurde. Die Teilnehmer der Befragung wurden nach Maßnahmen gefragt, die zur Vermeidung von (Gesellschafter-) Konflikten eingesetzt werden. Dabei wurden auch externe Mediatoren als Antwortmöglichkeit aufgezählt.

Der Einsatz von externen Mediatoren ist nach der hier vertretenden Ansicht jedoch keine Maßnahme der Konfliktprävention. Mediatoren werden üblicherweise hinzugezogen, wenn ein Konflikt bereits akut ist. Die Mediation verhindert keinen Konflikt, sondern führt ihn einer konstruktiven Lösung zu. Die Konfliktprävention kann allerdings eine Begleiterscheinung des Mediationsverfahrens sein, da die Beteiligten im Verfahren häufig einen Weg des konstruktiven Streitens gefunden haben, der sie bei zukünftigen Konflikten dazu befähigt, sie nicht eskalieren zu lassen. Somit kann die Mediation schlimmere Auswirkungen von Konflikten, nicht aber den Konflikt selbst verhindern. Die Mediation ist keine mit dem Gesellschaftervertrag, der Nachfolgeplanung oder der Familienverfassung vergleichbare Maßnahme der Konfliktprävention.