Integration von Flüchtlingen im Mittelstand

DSC_0140PricewaterhouseCoopers und der Bundesverband der deutschen Industrie haben Anfang des Jahres Daten und Fakten zum Mittelstandspanel herausgegeben. Es misst die Stimmungslage des industriellen Mittelstands. Hinsichtlich der aktuellen Flüchtlingswellen sind die Ergebnisse der Befragung zur Personalpolitik „Was die Zukunft bringt“ von besonderem Interesse.

Die Befragten betonen wie im Vorjahr, dass sie zur Bekämpfung des Fachkräftemangels vor allem die Verbesserung der allgemeinen schulischen Ausbildung als wichtig erachtet. Mehr als die Hälfte der Unternehmen sehen zudem in der verbesserten Integration von Flüchtlingen eine weitere Möglichkeit zur Sicherung des Fachkräftebedarfs (53,3%). Dieser Ansicht sind vor allem größere Mittelstandsunternehmen (100 und mehr Beschäftigte). Dazu passt, dass auch die erleichterte Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen an Zustimmung beim Mittelstand gewonnen hat.

Wie in den meisten Publikationen zur Flüchtlingsthematik bleibt die Benennung der Integration als zentraler Lösungsansatz allerdings ohne weitergehende Ausführung. Es stellen sich mithin die Fragen:

    Wie könnten Integrationsmaßnahmen der Bundesregierung aussehen?
    Was können die Unternehmen zur Integration beitragen?
    Und was setzt eine erfolgreiche Integration überhaupt voraus?

Bisher wird meist nur auf die Regierung verwiesen, die entsprechende Maßnahmen zu ergreifen habe. In Deutschland wurden Integrationsideen und -maßnahmen jedoch kaum in dem Umfang eingesetzt und erprobt wie es andere Länder bereits getan haben (z.B. USA). Es fehlt nicht nur an Institutionen, sondern auch an Wissen und vor allem Erfahrung. Während eines Forschungsprojekts zum Thema Migration und Unternehmensnachfolge (Neuvians & Co. berichtete) konnten dahingehend keine fertigen Programme entdeckt werden.

Zwei Faktoren erschienen jedoch nach den Gesprächen mit Migranten als zentral:

    1. Integration funktioniert dann, wenn wir uns über unsere Identität bewusst sind. Integration heißt, dass wir wissen, wer wir sind, welches Verhalten wir fördern, tolerieren und nicht mehr tolerieren wollen.
    2. Integration funktioniert dann, wenn wir etwas gegenseitig voneinander wollen. Wie können wir also einen „Deal“ machen, aus dem jeder als Gewinner hervorgeht? Anstatt Ängste zu schüren und Andersartigkeiten hervorzuheben, sollten wir uns über Ressourcen und Machbarkeiten unterhalten.

Mit Blick auf die Personalführung lässt sich immer wieder feststellen, dass Mitarbeiter nicht motivierter und leistungsstärker werden, indem sich auf Schwächen konzentriert wird, sondern Stärken und ihr adäquater Einsatz sollten Ausgangspunkt jeglicher Zusammenarbeit sein. Wir finden, dass wir diesen Gedanken eins-zu-eins auf die aktuelle Situation übertragen können. Nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die Unternehmen und jeder Einzelne können zur Integration beitragen, indem wir uns klar machen, wer wir sind und welche Stärke wir vom anderen nutzen wollen.

    Packen wir’s an!

Die Studienergebnisse werden von PricewaterhouseCoopers kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt.