Gemeinnützige Stiftungen auf dem Prüfstand

Familienunternehmen nutzen häufig die Familienstiftung, um das eigene Vermögen und somit auch den Fortbestand des Familienunternehmens zu sichern. Doch auch gemeinnützige Stiftungen werden von Familienunternehmen häufig gegründet, um ihr gesellschaftliches Engagement im Bereich der Gemeinnützigkeit fortzusetzen. Dort spielen Transparenz und Glaubwürdigkeit eine große Rolle, die auch von der Stiftungspraxis berücksichtigt werden müssen.

Grundsätze Guter Stiftungspraxis

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen (BDS) hat im letzten Jahr eine Studie zum Thema „Führung, Steuerung und Kontrolle in der Stiftungspraxis“ herausgegeben. Sie dient der Bestandsaufnahme zur Anwendung der Grundsätze Guter Stiftungspraxis, die im Jahr 2006 von Stiftern und Stiftungen entwickelt und verabschiedet wurden. Diese Grundsätze wurden (ähnlich dem Governance Kodex für Familienunternehmen) als Orientierungsrahmen entwickelt. Es finden sich Handlungsempfehlungen für eine gute Stiftungspraxis, die vor allem an Transparenz, der Vermeidung von Interessenkonflikten sowie der wirkungsvollen Organisation der Stiftungsverwaltung festgemacht wird.

Repräsentative Befragung vom Frühjahr 2010

Die StiftungsStudie „Führung, Steuerung und Kontrolle in der Stiftungspraxis“ erörterte verschiedene Aspekte von gemeinnützigen Stiftungen: die Organisation ihrer Stiftungsgremien, ihr Finanz- und Rechnungswesen sowie ihre Kontrollmechanismen. Ausgangspunkt der Studie sind die Antworten von rund 200 Stiftungen. Der BDS konnte mit seiner Befragung eine Rücklaufquote von 16,26 Prozent erreichen, sodass repräsentative Aussagen getroffen werden konnten. Die teilnehmenden Stiftungen spiegeln auch in punkto Größe und Stiftungsvermögen einen repräsentativen Querschnitt der deutschen Stiftungslandschaft wider. Sie wurden in dem Zeitraum zwischen Januar und März 2010 befragt.

Ergebnisse der StiftungsStudie

Die Ergebnisse der Studie werden ausführlich und nachvollziehbar in der Broschüre des BDS dargestellt. Im Folgenden werden lediglich einzelne Aspekte beschrieben, die ausschlaggebend für das eher negative Fazit der Herausgeber gewesen sein dürften. So heißt es auf Seite 9 der StiftungsStudie:

„Die Studie zeigt in der Summe, dass die Themen Führung, Steuerung und Kontrolle in der Stiftungspraxis – anders als in der Privatwirtschaft – häufig noch keine herausragende Rolle spielen. Dabei können die möglichen Folgen gerade für Stiftungen gravierend sein, sodass in vielen Stiftungen noch weiterer Handlungsbedarf bestehen dürfte.“

Organisation des Stiftungsgremiums

Hinsichtlich der Organisation des Stiftungsgremiums fallen vor allem zwei Ergebnisse stark ins Gewicht: zum einen geben 23 Prozent der Stiftungen an, dass sie über gar kein zusätzliches internes Aufsichtsgremium verfügen. Dies verwundert insbesondere dann, wenn die Stiftung nicht nur vom Ertrag des Stiftungsvermögens, sondern auch von der finanziellen Unterstützung anderer abhängig ist. Wenn man bedenkt, dass ein Aufsichtsgremium u.a. den Umgang mit dem Stiftungsvermögen überprüft und somit Vertrauen in die Organisation und ihre Redlichkeit ermöglichen kann, ist der Verzicht darauf kaum nachvollziehbar. Für Ausstehende und insbesondere für spendenwillige Mitbürger oder Zustifter ist diese Form der Gewaltenteilung (Geschäftsführung einerseits – und Aufsichtsgremium andererseits) ein Qualitätsmerkmal, welches anscheinend teilweise noch ungenützt bleibt.

Laut Studie wird zum anderen auch deutlich, dass vorhandene Aufsichtsgremien zum Teil mit Personen besetzt sind, die auch im Führungsbereich tätig sind. Es gaben immerhin 24 Prozent der Befragten an, dass Mitglieder ihres Aufsichtsorgans gleichzeitig auch dem Leitungsorgan angehören. Pro-Forma-Positionen werden jedoch auch von Laien schnell durchschaut. Hier ist in der Tat Handlungsbedarf zu sehen.

Finanz- und Rechnungswesen

Das Finanz- und Rechnungswesen dient auch in Stiftungen der systematischen Erfassung, Überwachung und informatorischen Verdichtung der durch den organisatorischen Prozess entstehenden Geld- und Leistungsströme. Hier ist positiv zu vermerken, dass 53 Prozent der Studienteilnehmer ihren Jahresabschluss von einem Wirtschaftsprüfer erstellen lassen, obwohl sie gesetzlich dazu nicht verpflichtet sind. Allerdings werden der Jahresbericht oder sonstige wirtschaftliche Angaben nur höchst selten für die Öffentlichkeit einsehbar gemacht. Nur 13 Prozent der Stiftungen lassen einen Jahresbericht drucken und nur 9 Prozent veröffentlichen finanzielle Angaben im Internet. Die Transparenz ist somit nur teilweise und nur indirekt z.B. über einen Wirtschaftsprüfer gegeben. Selten wird auch der Anhang veröffentlicht, der es der Öffentlichkeit ermöglichen würde, die finanzielle Rechenschaft anhand von Zahlen nachzuvollziehen.

Wegen verschiedener Fälle der Veruntreuung oder Misswirtschaft im Dritten Sektor (hier in Berlin ist insbesondere der Fall „Treberhilfe“ bekannt) kann von einem gesteigerten Interesse der Bevölkerung an Transparenz und Redlichkeit ausgegangen werden. Das Finanz- und Rechnungswesen bietet einfache Instrumente, diesem Bedürfnis nachzukommen.

Risikomanagement und Kontrolle in Stiftungen

Die an der Studie teilnehmenden Stiftungen sind überwiegend der Ansicht, dass alle wesentlichen Risiken erkannt werden (76 Prozent) und dass angemessen darüber berichtet wird (74 Prozent). Allerdings führen nur 45 Prozent der Stiftungen eine strukturierte Risikoanalyse durch. Über ein internes Kontrollsystem verfügen zudem nur knapp ein Drittel der Stiftungen. Bedeuten sowohl die Risikoanalyse als auch das Kontrollsystem evtl. einen zu großen Verwaltungsaufwand? Lediglich 2 Prozent der befragten Stiftungen hat in den letzten drei Jahren einen schwerwiegenden Compliance-Verstoß erlitten. Angesichts dieser geringen Vorkommnisse könnte man schnell den Schluss ziehen, dass ein informelles Vier-Augen-Prinzip als Präventionsmaßnahme ausreicht.

Die Herausgeber der Studie weisen jedoch zurecht darauf hin, dass unabhängig von der Größe der Stiftung bereits eine kleine Unregelmäßigkeit ausreicht, um ihre Glaubwürdigkeit und ihren Ruf zu ruinieren. Zudem wird nach Ansicht von Neuvians & Co. das Risikomanagement gerade von Stiftungen als Marketinginstrument unterschätzt. Neue Techniken, Software und das Internet können dazu genutzt werden, absolute Transparenz und Offenheit herzustellen und letztlich das Vertrauen in das gemeinnützige Projekt zu stärken.

Literatur:

Bundesverband Deutscher Stiftungen 2010.
Grundsätze guter Stiftungspraxis. Erw. Neuauflage.
Kostenlos auf der Internetseite des Bundesverbandes erhältlich.

Bundesverband Deutscher Stiftungen 2010.
Führung, Steuerung und Kontrolle in der Stiftungspraxis. StiftungsStudie.
Kostenlos auf der Internetseite des Bundesverbandes erhältlich.