Entrepreneurship & Migranten

Berlin gilt als Gründungshauptstadt. Laut neuester Zahlen der KfW Research ist die Anzahl der Gründungen in 2016 jedoch deutlich gesunken. Deutschlandweit aber auch in Berlin waren es weniger Gründungen als im Vorjahr.

Daran ändern auch die Migranten in Deutschland nichts. Die Anzahl der Migranten, die sich im Jahr 2016 selbständig machten, ist so niedrig wie noch nie. Laut eines KfW One Pager von Dr. Georg Metzger vom 14. September 2017 sind jedoch verschiedene Besonderheiten von Gründungen durch Migranten zu beobachten:

  • Migranten sind überdurchschnittlich gründungsaktiv
  • Sie gründen nicht nur häufiger, sondern auch größer
  • Sie finanzieren ihre Unternehmungen seltener mit Bankkrediten, dafür häufiger mit Überziehungskrediten und mithilfe von Freunden und Verwandten
  • Insbesondere die männlichen Migranten zeigen hohe Ambitionen, ihr Unternehmen so groß wie möglich werden zu lassen.

Gleichzeitig weist Metzger auf die höhere Abbruchquote bei Migranten hin. Bieten sich andere Erwerbsalternativen wird das eigene Gründungsprojekt schnell aufgegeben. Nur Akademiker zeigen eine vergleichsweise geringe Abbruchquote.

Ob darin ein besonderes Potential zu sehen ist, kann nicht abschließend beurteilt werden, aber Existenzgründungen beleben den Wettbewerb und initiieren Wandel durch die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen. Gründer/innen, egal ob Migrant oder nicht, spielen somit für das Wachstum, die Beschäftigung und die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft eine wichtige Rolle. Das war auch eine zentrale Erkenntnis aus dem Forschungsprojekt MINA, an dem Professor Neuvians in den Jahren 2011-2012 mitarbeiten durfte. Entrepreneurship und Unternehmertum überschreiten eventuelle Grenzen und Kulturbarrieren mit besonderer Leichtigkeit, da sie letztlich einem gesunden Interessenausgleich dienen.

Vielleicht kann die ambitionierte Gründungsfreude bei Migranten auch eine Chance für Sachsen bedeuten: „In Sachsen hat die Gründungstätigkeit im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern leicht zugelegt; dies reicht, um sich mit Platz 7 von den anderen ostdeutschen Flächenländern abzusetzen.“ (KfW Research)