Dresden plant: Die Stadt nach Corona

Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorüber. Dennoch ist es bereits erforderlich, die Zeit nach der Krise zu planen und die Zukunft in den Blick zu rücken. Gilt auch für die Landeshauptstadt Dresden, was das Handelsblatt jüngst postuliert: die Stadt der Zukunft ist nachhaltig, dezentral, digital und durchmischt? Wie planen gesellschaftliche Gruppen, Wirtschaft, Politik und Verwaltung die Zukunft der Stadt und vor welche besonderen Herausforderungen steht Dresden in Folge der Corona-Krise?

Das DIGW hat diese Fragen am 15. Juli 2021 in einem spannenden Austausch- und Gesprächsformat thematisiert, das Studierende, ProfessorInnen und vor allem Akteure aus verschiedenen Bereichen des städtischen Lebens zusammengebracht und Perspektiven auf dieAufgaben der näheren Zukunft nach Corona eröffnet hat.

Die digitale Stadt

Der Megatrend der Digitalisierung war und ist für die Stadt Dresden unabhängig von der Corona-Pandemie von Bedeutung. Die Einschränkungen und Veränderungen in beruflichen und privaten Bereichen während der Krise haben jedoch Lücken in der bereits erreichten Digitalisierung aufgezeigt. Fehlende Technik in Schulen, Gesundheitseinrichtungen und auch in privaten Organisationen haben nach Einschätzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine „verschleppte Digitalisierung“ in der Vergangenheit sichtbar gemacht.

Als dringende Aufgabe für die nähere Zukunft wird vor diesem Hintergrund die Verbesserung der Ausstattung mit digitaler Infrastruktur gesehen. Damit verbunden ist der Beginn einer digitalen Transformation. Zu dieser gehören die Anerkennung von Digitalisierung als Leitungsaufgabe, die Verbesserung des digitalen Datenaustauschs und die Anpassung von Betriebskonzepten an digitalisierte Abläufe. Dabei sollen Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger ebenso Berücksichtigung finden wie interne Prozesse in Stadtverwaltung und anderen öffentlichen Betrieben.

Die nachhaltige Stadt

Innerhalb dieser Diskussionsrunde wurde primär Nachhaltigkeit unter ökologischen Aspekten von Mobilität diskutiert. Hierbei wurde deutlich, dass die Stadtverwaltung das Thema Nachhaltigkeit in Konzepten und Umsetzung berücksichtigt. Die politische Agenda des Stadtrats ist auch mitbestimmend für den Grad der Umsetzung. Vor diesem Hintergrund wurde diskutiert, stärker die Arbeit der Stadtverwaltung für die Bürgerinnen und Bürger transparent zu machen.

Interessant war, dass Nachhaltigkeit und CO2-neutrale Mobilitätskonzepte gerade für die Schülerinnen und Schüler sehr wichtig ist und eine entsprechende Erwartungshaltung haben.

Die dezentrale Stadt

In den Gesprächen ergab sich u.a. die Perspektive auf Dresden als eine bereits sehr polyzentrische Stadt. Das Bedürfnis nach Nachbarschaft und dem Regionalen hatte während der Pandemie aus Sicht der Teilnehmenden zunächst zugenommen. Dies konnte man u.a. an einem erhöhten Interesse an Wochenmärkten feststellen. Aber es konnten auch Tendenzen zur Vereinzelung während der Pandemie beobachtet werden und es wurde die Frage diskutiert, ob die Dezentralität nicht auch eine gesellschaftliche Spaltung in der Stadt begünstigt hat.

Hinsichtlich weiterer Auswirkungen der Pandemie, zum Beispiel auf die Gewerbeflächen, konnte noch nicht viel berichtet werden. Sollte die Corona-Krise die Dresdner Stadtplanung in Zukunft stärker auf das (auch von anderen europäischen Städten verfolgte) Ziel der 15 Minuten-Stadt ausrichten, also auf eine Stadt, in der alles zu Fuß oder mit dem Rad in nur 15 Minuten erreichbar ist?

Die Rolle des Einzelhandels dürfte dabei eine entscheidende sein und wie er sich im Zuge des Corona bedingten Digitalisierungsschubs kreativ positionieren wird. Letztlich könnte für einen polyzentrischen Ansatz vielleicht auch die Frage wichtig sein: Womit identifiziert sich der Einzelne in einer Stadt? Und sind die Dresdner Stadtbezirke für diese Identifikation nicht zu groß?

Letztlich bot die Veranstaltung nicht nur inhaltlich, sondern auch persönlich viele Anknüpfungspunkte, die im Zuge der weiteren pandemischen Wirkungen sicherlich noch vertieft werden.