Die Altruismus-Revolution

Die Hauptstadt ist in Stiftungslaune.

Zum einen ist die Anzahl der Stiftungsgründungen in Berlin erheblich gestiegen. Laut aktueller Mitteilung der Stiftungsaufsicht gibt es nun insgesamt 719 Stiftungen mit Sitz in Berlin. Der Stiftungsrekord aus 2009 wurde damit zwar nicht gebrochen, aber ein Trend zur Stiftungsgründung ist deutlich erkennbar.

Zum anderen finden vermehrt Veranstaltungen statt, die diesen Trend ebenfalls erkennen lassen. So fand neulich nicht nur der bereits etablierte Berliner Stiftungstag im roten Rathaus statt, sondern im Sommer 2010 gab es auch die erste Berliner Stiftungswoche, die so erfolgreich war, dass sie in 2011 fortgesetzt wird. Erwähnenswert ist auch der StiftungsSalon Berlin-Brandenburg, der die lang verschollene Salon-Kultur wiederbelebt. Er hat sich zum Ziel gesetzt, Geschichte und Zukunft der Stiftungskultur in Berlin-Brandenburg bekannt zu machen, den Erfahrungsaustausch von Stiftungen untereinander zu intensivieren und Kontakte zwischen Stiftungen, Wirtschaft und Politik zu fördern. Die Stiftungslandschaft wächst und mausert sich also.

Ist dies nun ein Berliner Phänomen oder finden sich Anzeichnen einer größeren Philanthropie-Bewegung auch in anderen Städten und Ländern? Stefan Klein, Erfolgsautor und Wissenschaftspublizist, spricht in seinem neuen Buch „Der Sinn des Gebens“ jedenfalls bereits von einer „Revolution des Altruismus“.

Mit Blick auf die USA könnte tatsächlich von einer solchen Entwicklung gesprochen werden. Der Giving Pledge (wir berichteten) ist in seiner Größe und Umfang sehr beachtlich. Zahlreiche Milliardäre (darunter Bill Gates, Warren Buffett und kürzlich auch Facebook’s Mark Zuckerman) haben sich verpflichtet, die Hälfte ihres Vermögens für karitative Zwecke zu verwenden. Doch wie kommt es zu dieser Entwicklung? Anders als in Deutschland, lässt sie sich wohl nicht mit einem neuen Gesetz erklären, welches Wohltätigkeit in Form von gemeinnützigen Stiftungsgründungen mit Steuerersparnis belohnt.

Ob es an einem Altruismus-Gen liegt? Anfang November überraschten Bonner Forscher die Wissenschaft mit einem erstaunlichen Fund: Ein Unterschied in einer einzigen Erbanlage geht mit einer signifikant erhöhten Spendenbereitschaft einher. Die Ergebnisse der Bonner Studie legen nahe, dass die Gene dafür verantwortlich sind, dass wir anderen gerne Gutes tun. In Deutschland dürften es jedenfalls -neben den Genen- auch an den Anreizen liegen, die das „Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements“ bietet, welches im September 2007 vom Bundesrat beschlossen wurde. Diese Gesetzesnovelle hat vor allem die steuerlichen Rahmenbedingungen verbessert. Sicher finden sich auch weitere Erklärungsansätze für den zu beobachtbaren Trend der Philanthropie, die jedoch bisher nicht näher erforscht wurden.

Fraglich ist auch, ob und wie stark diese „Altruismus-Revolution“ die deutschen Familienunternehmen erreicht hat. Altruismus hat bei Familienunternehmen ohnehin eine lange Tradition. Sie sind stille und beständige Geber und teilen mit erfolgreichen Stiftern die langfristige Perspektive, Bescheidenheit und Zurückhaltung im Außenauftritt. In unserem nächsten Newsletter möchten wir dieses Thema vertiefen und greifen auf verschiedene Studien zurück, um sie näher auszuwerten und Antworten zu finden. Falls Sie daran Interesse haben sollten, abonnieren Sie unseren Newslettter einfach per Email (siehe Kontakt).

Für die bevorstehenden Feiertage wünschen wir Ihnen nun alles Gute, frohe Weihnachten und einen leuchtenden Start ins neue Jahr 2011!