Familyness als Wettbewerbsvorteil

Die Stiftung Familienunternehmen hat Ende August eine Studie zum wirtschaftlichen Erfolg von börsennotierten Familienunternehmen herausgegeben. Kernaussage der Studie ist, dass die börsennotierten Familienunternehmen solider und erfolgreicher wirtschaften als Nicht-Familienunternehmen. Besonders bemerkenswert sind dabei die festgestellten Zusammenhänge mit dem Einfluss der Familie: Je größer der Einfluss der Gründerfamilie, umso erfolgreicher sind börsennotierte Firmen.

Familienunternehmen verzeichnen im Betrachtungszeitraum 2009 bis 2018 ein höheres Wachstum in Bezug auf Umsatz und Beschäftigung. So ist das jährliche Beschäftigungswachstum von Familienunternehmen mit sechs Prozent annähernd doppelt so hoch wie bei Nicht-Familienunternehmen mit drei Prozent. Auch gemessen an den Kennzahlen Return on Assets (Gesamtkapitalrendite) sowie Return on Equity (Eigenkapitalrendite) schneiden Familienunternehmen signifikant besser ab.

Besonderer Aufmerksamkeit bedarf es der gewählten Definitionen. Ein börsennotiertes Unternehmen qualifiziert sich in der Studie in der Regel als Familienunternehmen, wenn die Gründerfamilie mindestens 25 Prozent der Stimmrechte besitzt und/oder ein Aufsichtsrats- oder Vorstandsmandat bekleidet (Founding Family Definition). Zusätzlich wurde die Definition verschärft, indem weitere Faktoren einbezogen wurden. Die Studie spricht von Elementen der Ultimate-Owner-Definition bei der Analyse der Eigentümerstruktur. Bei der Ultimate-Owner-Definition wird die gesamte Komplexität der Eigentümerstruktur inklusive Pyramiden- und Holdingstrukturen, Überkreuzbeteiligungen sowie die Existenz unterschiedlicher Aktiengattungen berücksichtigt.

Entscheidend für die zentrale Kernaussage der Studie ist jedoch die Bewertung des Familieneinflusses. Hier hat die Studie auf das Substantial-Family-Influence Konzept von Sabine Klein zurückgegriffen und es leicht modifiziert. Details können der Studie entnommen werden. An dieser Stelle sei jedoch noch ein Hinweis auf die Autorin Corinne Mühlebach erlaubt, die bereits 2004 einen interessanten Ansatz zur Bestimmung der Familyness entwickelte und in ihrem Buch „Familyness als Wettbewerbsvorteil“ im Haupt Verlag veröffentlichte.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Studie (unabhängig von den vorgenannten Definitionsvarianten und Versuchen, den Familieneinfluss näher zu bestimmen), als sehr positive Nachricht für die Familienunternehmen gewertet werden kann. Die klein- und mittelständischen Familienunternehmen sollten ihre Familyness ebenfalls als Wettbewerbsvorteil nutzen.

Quelle: Stiftung Familienunternehmen (Hrsg.): Börsennotierte Familienunternehmen in Deutschland – Bedeutung, Merkmale, Performance, erstellt vom Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) der Technischen Universität München (TUM), München 2019, www.familienunternehmen.de